urbia-Ratgeber: Wo entbinden?
Eine Geburt ist ein ganz besonderer und intimer Moment. Grund genug, sich über den Ort, an dem sie stattfinden soll, rechtzeitig Gedanken zu machen. urbia gibt Ihnen einen Überblick über drei Möglichkeiten für das große Ereignis.
Welcher Ort ist der richtige für mich?
Die Geburt Ihres Kindes ist ein einmaliges Erlebnis, das Sie nach Ihren eigenen Vorstellungen gestalten sollten. Nehmen Sie sich deshalb die Zeit, den idealen Ort dafür zu finden.
Verläuft Ihre Schwangerschaft unproblematisch, haben Sie in Deutschland die Wahl zwischen einer Hausgeburt, einer Geburt im Geburtshaus und der Geburt in einem Krankenhaus. Auch wenn Sie noch am Anfang Ihrer Schwangerschaft stehen und Ihnen die Geburt Ihres Kindes unwirklich und weit weg scheint, sollten Sie sich damit auseinandersetzen, was Ihnen für diesen besonderen Moment wichtig ist. So sind z.B. Beleghebammen, die Sie ins Kranken- oder Geburtshaus begleiten, sehr begehrt und oft früh „ausgebucht“.
Eine Frage sollten Sie sich bei der Wahl des Geburtsortes immer stellen:
Was brauche ich, um mich sicher und geborgen zu fühlen.
Klinik
In Deutschland werden die meisten Kinder im Krankenhaus geboren. Zu den Vorteilen gehört die medizinische Betreuung von Mutter und Kind, die vielen Eltern wichtig ist. Sollte es während der Geburt zu Komplikationen kommen, kann jeder Zeit eingegriffen werden. Nach der Geburt genießen viele Frauen die medizinische Betreuung auf der Station, ruhen sich dort aus und werden verpflegt, bevor es mit dem Nachwuchs nach Hause geht. Es gibt aber auch hier die Möglichkeit ambulant zu entbinden, d.h. einige Stunden nach der Geburt wieder nach Hause zu gehen.
Viele Krankenhäuser haben inzwischen gut ausgestattete und liebevoll gestaltete Kreißsäle. Trotzdem gibt es zwischen den einzelnen Geburtskliniken gravierende Unterschiede. Klären sie deshalb schon bei der Anmeldung zur Geburt entscheidende Fragen:
- Steht jeder Frau eine einzige Hebamme während der Geburt zur Seite? Oder muss eine Hebamme immer gleich mehrere Frauen betreuen?
- Gibt es Beleghebammen, die Sie zur Geburt begleiten können?
- Können Sie den Geburtsverlauf und die Position selbst bestimmen (und zwar wirklich und nicht so, dass Sie letztlich doch entgegen anderslautender Aussagen auf dem Querbett landen)
- Welche Hilfsmittel stehen zur Verfügung (z.B. breite Betten, Pezzi-Ball, große Badewannen, Seile, Hocker usw.)?
- Welche Schmerzmittel werden gegeben, verfügt das Krankenhaus über die Möglichkeit eine PDA vorzunehmen, bei der die Frau noch stehen und laufen kann (mobile PDA)?
- Wie wird die Geburt überwacht?
- Welche Routineeingriffe werden vorgenommen (Einlauf, Rasur, Dammschnitt, Wehentropf)?
- Wann wird eine Geburt routinemäßig eingeleitet?
- Was geschieht mit dem Kind unmittelbar nach der Geburt?
- Können Sie Ihr Kind unmittelbar nach der Geburt stillen?
- Wie sehr unterstützt die Klinik das Stillen? (Qualitätsmerkmal für Kliniken ist die Auszeichnung mit der WHO-Plakette "Babyfreundliches Krankenhaus".)
- Ist Rooming-In möglich und wenn ja, in welchem Umfang?
- Ist eine Kinderklinik oder -station angeschlossen oder steht ein Kinderarzt rund um die Uhr zur Verfügung?
- Wann wird routinemäßig ein Kaiserschnitt gemacht?
- Kann der Partner bei einem Kaiserschnitt mit in den Operationssaal?
- In welche Kinderklinik wird der Säugling im Notfall verlegt und besteht die Möglichkeit, dass Sie dort mit aufgenommen werden? Wie hoch ist die Verlegungsrate der Kinder?
- Wie oft nimmt die Klinik operative Entbindungen (Saugglocken- und Zangengeburten, Kaiserschnitte) oder Eingriffe (z.B. Dammschnitte) vor? Lassen Sie sich dazu verlässliche Statistiken, z.B. die Zahlen aus der jüngsten Perinatalerhebung zeigen!
Jede Klinik, die nicht bereit ist, Ihnen zumindest auf die meisten dieser Fragen zu antworten, sollten Sie meiden.
Hausgeburt
In Deutschland werden nur knapp ein Prozent aller Kinder zu Hause geboren. Eine Hausgeburt gilt häufig als "unsicher" und "gefährlich". Dass das nicht unbedingt der Fall ist, zeigen unsere holländischen Nachbarn. In den Niederlanden kommen rund ein Drittel aller Kinder zu Hause zur Welt, die Säuglingssterblichkeit ist vergleichbar.
Eine geplante Hausgeburt ist eignet sich für völlig gesunde Schwangere, die eine komplikationslose Geburt erwarten können.
- Erste unabdingbare Voraussetzung für eine Hausgeburt: Die Frau muss sich in ihrer Entscheidung sicher sein und sich dabei wohl fühlen. Frauen sollten sich nicht zu einer Hausgeburt "überreden" lassen.
- Zweite Voraussetzung: eine in der Hausgeburtshilfe besonders erfahrene Hebamme, die die Grenzen ihres eigenen Könnens gut abstecken kann. Dabei sollte es sich um eine Hebamme handeln, die sich nicht direkt nach ihrer Ausbildung selbständig gemacht, sondern danach noch mindestens zwei Jahre Erfahrungen an einem geburtenstarken Krankenhaus gesammelt hat. Fragen Sie die Hebamme, wie viele Hausgeburten sie schon selbständig und eigenverantwortlich betreut hat!
- Außerdem brauchen Sie bei einer Hausgeburt Hilfe im Haushalt, jemanden, der Sie und Ihre Kinder in den ersten Tagen nach der Geburt betreut (kochen, einkaufen, putzen usw.) Die Krankenkassen übernehmen bei einer Hausgeburt die Kosten für eine Haushaltshilfe, wenn niemand sonst im Haushalt die Arbeit übernehmen kann.
- Eine gute Vorbereitung auf die Geburt ist bei einer geplanten Hausgeburt besonders wichtig. Darüber hinaus sollte gewährleistet sein, dass im Notfall der Transport ins nächste Krankenhaus nicht länger als eine Viertelstunde dauert.
Lesen Sie dazu auch unseren Artikel über Hausgeburten:
Hausgeburt: Selbstbestimmt und vertrauensvoll
Geburtshaus
Ein Geburtshaus ist eine schöne Alternative, wenn Sie sich eine Geburt in den eigenen vier Wänden nicht vorstellen können, Sie sich aber auch im medizinischen Umfeld eines Krankenhauses nicht wohlfühlen. Vielleicht hätten Sie auch gerne zu Hause entbunden, möchten aber auf Hilfen wie eine große Badewanne oder Gebärschaukeln nicht verzichten.
Ziel der Geburtshäuser ist es, den Frauen und Eltern eine selbstbestimmte Geburt zu ermöglichen, der natürliche Prozess steht im Vordergrund. Die Geburtshaus-Hebamme betreut die Eltern schon während der Schwangerschaft und übernimmt auch die Nachsorge zu Hause. Die Geburten sind in den meisten Fällen ambulant.