Es tut sich nichts - Übertragung
Der lange erwartete Geburtstermin ist da - und es tut sich immer noch nichts. Das kommt häufig vor. Hier erfahren Sie, wann man von Übertragung spricht, wie die Gesundheit von Mutter und Baby dann überwacht wird und wann die Geburt eingeleitet werden muss.
Die meisten Babies kommen nach dem Termin
Neun lange Monate haben Sie auf diesen Termin gewartet, doch der errechnete Entbindungstermin verstreicht, ohne dass sich Ihr Baby auch nur mit einem kleinen Zwicken ankündigt. Übertragung ist kein Grund zur Sorge - die "normale" Geburt des Kindes kann bis zu zwei Wochen vor und zwei Wochen nach dem errechneten Termin stattfinden. Nach dem errechneten Geburtstermin allerdings wird die gesundheitliche Überwachung von Mutter und Kind in einem sehr engen Rahmen stattfinden. In der Regel wird der Arzt, die Hebamme oder schon das Personal der Entbindungseinrichtung alle zwei Tage eine Untersuchung vornehmen.
Wichtig bei der übertregung des Kindes ist vor allem die Beurteilung, inwieweit die Plazenta noch in der Lage ist, dieses ausreichend zu versorgen. Mit zunehmender Geburtsreife des Kindes fängt die Plazenta nämlich an, zu altern. Die Überwachung besteht in erster Linie aus der Überprüfung der Herzaktivität des Kindes und der Wehentätigkeit der Mutter mit dem CTG (Cardio-Toko-Graphie), sowie einer Untersuchung des Muttermunds. Ist ein CTG auffällig, wird eventuell eine spezielle Ultraschalluntersuchung (Dopplersonographie) angeordnet, bei der die Strömungen des Blutes farblich dargestellt und gemessen werden. So lässt sich eine mangelnde Durchblutung der kindlichen Gefäße oder der Gebärmuttergefäße feststellen. Um die Stoffwechselleistung der Plazenta beurteilen zu können, werden Blutanalysen vorgenommen.
Gegebenenfalls wird durch eine Amnioskopie (Fruchtwasserspiegelung) untersucht, ob das Kind noch mit allen lebensnotwendigen Stoffen versorgt wird. Arbeitet die Plazenta nicht mehr einwandfrei, färbt sich das Fruchtwasser gelb-grün. Der Fötus kann dann unter Sauerstoffmangel leiden.
Wächst das Kind in der Zeit nach dem errechneten Geburtstermin normal weiter, werden die Verantwortlichen erst nach 10 bis 14 Tagen mit Ihnen über die Einleitung der Geburt beraten. Stoppt die Entwicklung des Fötus oder gibt es Anzeichen für seine Unterversorgung, wird über eine künstliche Einleitung der Geburt oder eventuell auch einen Kaiserschnitt entschieden werden.
Die Geburtseinleitung per Wehenmittel
In einzelnen Fällen müssen Eltern, Ärzte und Hebammen bei der Übertragung des Babys über die künstliche Einleitung der Geburt entscheiden. Dies ist immer dann der Fall, wenn
- es Anzeichen für die Unterversorgung des Fötus gibt,
- es auf Seiten der Mutter zu Komplikationen kommt, z.B. zu einer Schwangerschaftsvergiftung oder bei Diabetes,
- die Wehentätigkeit der Mutter nicht einsetzt oder zu schwach ist,
- die Wehen sich zu lange hinziehen, so dass die Mutter zu viel Kraft verliert,
- der Geburtstermin deutlich überschritten ist.
Eine Geburt einzuleiten bedeutet, die Wehentätigkeit zu stimulieren. Dies geschieht entweder durch Medikamente (den sog. Wehen-Tropf), oder indem man bei schon geöffnetem Muttermund (4-5 cm) die Fruchtblase ansticht und so den Geburtsvorgang beschleunigt. Wichtig nach der Einleitung der Geburt ist eine permanente ärztliche Kontrolle von Mutter und Ungeborenem.
Einleitung durch den Wehencocktail
Eine weitere Methode, eine Geburt in Gang zu bringen, bietet der sogenannte Wehencocktail. Dieses Getränk aus 2 EL Rizinusöl, Mandelmus, Aprikosensaft, Eisenkraut und Sekt soll auf eine alte ägyptische Rezeptur zur sanften Geburtseinleitung zurückgehen.
Seine vermeintlich "sanfte" Wirkungsweise und seine Nebenwirkungen werden in der Fachwelt jedoch sehr kontrovers beurteilt. Hebammen und Ärzte warnen immer wieder, den Cocktail nicht, weil aus natürlichen Substanzen hergestellt, als harmlos zu betrachten. Als Nebenwirkungen werden unter anderem lange heftige Durchfälle, Übelkeit, die Mekoniumaussscheidung beim Ungeborenen ins Fruchtwasser und eine mangelhafte Rückbildung der Gebärmutter nach der Geburt mit gefährlichen Blutungen genannt.
Hebammen vom "Bund deutscher Hebammen" raten daher, den Wehencocktail nur dann zu benutzen, wenn
- der Termin eindeutig überschritten ist
- der Blasensprung schon stattgefunden hat
- die Gebärmutter wehenbereit ist, d.h. die Frau schon immer wieder eigene Wehen hat oder der Muttermund schon 2-3 cm offen ist.
- die Einleitung unter Aufsicht (einer Hebamme oder im Krankenhaus) erfolgt
Wehencocktail oder Prostaglandine
Der Wehencoktail birgt jedoch nicht nur Gefahren und Nebenwirkungen, sondern bietet mitunter - richtig angewandt - eine sinnvolle Alternative zur Geburtseinleitung mittels Wehentropf mit Prostaglandinen. So wurde zum Beispiel im Rahmen einer Studie der Städtischen Frauenklinik Berg in Stuttgart der Wehencocktail mit Rizinusöl mit der Weheneinleitung durch Prostaglandine verglichen. Das Ergebnis: Bei der Gruppe Schwangerer, die einen Wehencocktail erhielt, dauerte es weniger lange bis zum Geburtsbeginn, weniger Frauen benötigten unter der Geburt Schmerzmittel und weitere wehenunterstützende Mittel. Danach ist der Wehencocktail möglicherweise durchaus eine gute Alternative zum Wehentropf, solange er unter Aufsicht eingenommen wird und die Rezepte nicht als harmlos gelten und "herumgereicht werden wie Kuchenrezepte", wie eine Hebammenschülerin in einem Forumsbeitrag schrieb.